Überblick über Proteste in Bremen und umzu
Was Sie zur Großdemo von „Fridays for Future“ wissen müssen
Weltweit stehen am Freitag die nächsten Großstreiks fürs Klima an. Auch in Bremen und der Region sind zahlreiche Fridays-for-Future-Aktionen geplant. Wir zeigen, wo und geben Informationen zum Ablauf.
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Tausende Landwirte aus ganz Norddeutschland werden am 17. Januar zu einer Großdemonstration in der Bremer Innenstadt erwartet. Die Veranstalter rechnen mit bis zu 4000 Treckern auf den Straßen.

In mehr als 400 Städten und Gemeinden wird am Freitag, 29. November, für mehr Klimaschutz gestreikt. Das kündigt die deutsche Fridays-for-Future-Bewegung auf ihrer Homepage an. Hintergrund des vierten globalen Klimastreiks ist die Kritik am Klimapaket der Bundesregierung, das im September vorgelegt wurde, und der Beginn der Weltklimakonferenz in Madrid.

Wann wird gestreikt und wie ist die Streckenführung?
In Bremen startet der Klimastreik um 10 Uhr auf der Bürgerweide. Von dort aus soll sich ein Demonstrationszug in Bewegung setzen, der wegen des Weihnachtsmarktes allerdings nicht zum Rathaus führen wird, sondern über die Straßen Herdentor, Wall, Bürgermeister-Smidt-Straße, Martinistraße, Tiefer, Osterdeich, Sielwall über den Dobben zurück zur Bürgerweide. Dort sind zum Abschluss der Demonstration ab 12 Uhr eine Kundgebung und Live-Musik von der Rockband „Til“ geplant.

Im Anschluss ist für 14 Uhr die Pressekonferenz „Autofreie Stadt Bremen“ im Überseemuseum angesetzt, bei der die Fridays-for-Future-Aktivisten ihr Konzept für eine autofreie Bremer City vorstellen wollen sowie ab 16 Uhr ein Wintermarkt am Altenwall. Dort gibt es Vorträge von Wissenschaftlern, Infostände und Plätzchen sowie ab 18 Uhr ein Konzert von „Freaks Dynamite“.

Wird es zu Verkehrsbehinderungen kommen?
Die Polizei rechnet am Freitag mit erheblichen Verkehrsbeeinträchtigungen. Auch bei der Ein- und Ausfahrt von Parkhäusern könne es zu Behinderungen kommen. Fahrgäste von Bussen und Bahnen werden am Streiktag an den betroffenen Haltestellen von Mitarbeitern der Bremer Straßenbahn AG (BSAG) über Umleitungen und Verspätungen informiert, sagt deren Sprecher Jens-Christian Meyer. Die BSAG wird zudem etwa drei Stunden vor und drei Stunden nach Ende der Veranstaltung keine Tickets in Bremen und Bremen-Nord kontrollieren. Mit anderen Worten: Die An- und Abreise ist kostenlos.

Wie viele Teilnehmer werden erwartet?
Ende September hatte die Bremer Fridays-for-Future-Bewegung 30.000 Menschen auf die Straße gebracht. Diesmal gehen die Organisatoren von weniger Teilnehmern aus, mehrere Tausend dürften es trotzdem werden. „Wir haben im Vorfeld nicht so stark mobilisiert wie im September“, sagt die Bremer Klimaaktivistin Frederike Oberheim. Dass die Bewegung an Wucht verliert, befürchtet sie trotzdem nicht. In Bremen jedenfalls bekommt Fridays for Future erstmals spürbare Unterstützung von den Studierenden und den Lehrkräften der Hochschulen.
Wer geht auf die Straße?

Neben den Students for Future wollen sich am Freitag auch jede Menge andere Organisationen dem Streik anschließen – von den Parents for Future über die Scientists for Future bis hin zu den Farmers for Future. Darüber hinaus beteiligen sich die Verdi Jugend, Aktivisten des Aktionsbündnisses „Ende Gelände“, Greenpeace und BUND. Auch Menschen mit Handicap oder solche, die nicht mehr ganz so gut zu Fuß sind, können mitdemonstrieren. Für sie stellt die BSAG einen Bus zur Verfügung, der am Ende des Demonstrationszuges fährt. Auf der Bürgerweide soll der Bus dann zu einem Anlaufpunkt für Verletzte umfunktioniert werden, sagt BSAG-Sprecher Meier.

Zur Trecker Demo

Der bundesweite Bauernprotest schwappt nach Bremen. Am Freitag kommender Woche wird auf den Straßen im Innenstadtbereich der Trecker das dominierende Verkehrsmittel sein. Bis zu 4000 Traktoren aus dem Nordwesten werden am Vormittag Richtung Zentrum rollen, wo das Agrarbündnis „Land schafft Verbindung“ eine Großkundgebung plant. Auf dem Domshof wollen die Landwirte unter anderem ein Positionspapier an Umweltsenatorin Maike Schaefer (Grüne) übergeben.

Die Logistik der Veranstaltung wird derzeit noch mit den Behörden abgestimmt. Für die Trecker soll es Abstellflächen unter anderem auf der Bürgerweide geben, möglicherweise auch am Weserstadion. Man sei in guten, fortgeschrittenen Gesprächen mit den zuständigen Stellen, sagt Jan Geerken vom Organisationsteam. Der Landwirt aus dem Blockland gehört zu den örtlichen Aktivisten des losen Bündnisses bäuerlicher Basisgruppen, die sich im vergangenen Jahr abseits des Deutschen Bauernverbandes und anderer klassischer Interessenvertretungen gegründet haben. Was die Akteure von „Land schafft Verbindung“ eint, ist ihr Protest gegen das von der Bundesregierung geschnürte Agrarpaket, das unter anderem zahlreiche Auflagen zum Insektenschutz und eine Kennzeichnung von Produkten unter dem Tierwohlaspekt vorsieht. Die Bauern kritisieren unter anderem, dass es im Vorfeld keinen ausreichenden Dialog mit den Erzeugern landwirtschaftlicher Produkte gegeben habe. Unter dem Dach von „Land schafft Verbindung“ haben sich nach Geerkens Darstellung sowohl konventionell als auch ökologisch orientierte Landwirte mit Höfen jeder Größenordnung zusammengefunden.
In verschiedenen deutschen Städten hat es in den vergangenen Monaten bereits Kundgebungen gegeben, die allein durch die teils kilometerlangen Karawanen landwirtschaftlicher Fahrzeuge für großes Aufsehen und mediales Interesse sorgten. „Die Rückmeldungen von den Städtern waren dabei durchweg positiv, auch weil wir immer alles ordentlich hinterlassen, was ja bei Demonstrationen nicht selbstverständlich ist“, sagt Geerken. Er hoffe deshalb auch auf das Verständnis der Verkehrsteilnehmer in Bremen, wenn es am 17. Januar auf den Straßen eng wird.

Geerken hat seinen Hof im Blockland bis ins letzte Jahr als Milchviehbetrieb geführt, inzwischen allerdings auf die Haltung von Mutterkühen umgestellt. Er ärgert sich darüber, dass seine Berufsgruppe „für viele die Buhmänner darstellt“. Politik, Wirtschaft und Verbraucher hätten jahrzehntelang die Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft gesetzt und eine effiziente Betriebsführung verlangt, mit allen positiven und negativen Folgen. Auch hierüber wollten die Bauern mit den Leuten ins Gespräch kommen, wenn am 17. Januar in Bremen demonstriert wird.

In der Umweltbehörde ist man auf den angekündigten Termin vorbereitet. Sprecher Jens Tittmann bestätigte auf Anfrage, dass die Senatorin an der Veranstaltung teilnehmen wird. Schaefer hatte sich bereits im November vergangenen Jahres als Vertreterin der Umweltminister der Länder in Hamburg einer Bauern-Demo gestellt. Dabei räumte sie ein, dass es die Landwirte zunehmend schwer hätten, ihre Höfe gewinnbringend zu betreiben. Auch in Bremen, wo es am Stadtrand zurzeit noch rund 150 landwirtschaftliche Betriebe gibt, sei ein Höfesterben zu beobachten. Für das kleinste Bundesland stellte sie dabei eine Weideprämie in Aussicht. Dieses finanzielle Instrument soll für Bauern einen Anreiz schaffen, Tiere nicht ausschließlich im Stall zu halten.

Als eines der größten Streitthemen bundesweit gilt die Nitratbelastung landwirtschaftlich genutzter Böden, auf denen regelmäßig Gülle versickert. Aus Geerkens Sicht hat sich die Politik bei diesem Thema allerdings zu sehr auf die Landwirte eingeschossen. Andere Quellen für Nitrateinträge würden außer Acht gelassen. Aus Schaefers Sicht „bringt es nichts, gegenseitig mit dem Finger aufeinander zu zeigen“. Sie habe sich bereits mit dem Bremer Landwirtschaftsverband zusammengesetzt, um Themen wie Nitratbelastung und Tierwohlfragen in sachlicher Atmosphäre zu erörtern.

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